Press 2. Akt
Bad Alchemy
2019, Rigobert Dittmann

Linda Vogel rührt an die Saiten ihrer Harfe für den 2. Akt (WER 040, LP) als SCHWALBE & ELEFANT, um mit Dalia Donadio fünfzehn neue Lieder anzustimmen und zu beplinken. Und zwar so, wie ihnen die züritüütschen Schnäbel gewachsen sind, fallweise und je zweimal dabei flankiert von Tobias Meiers Things-to-Sounds-Saxophon, Silvan Jegers Day & Taxi- Kontrabass oder Lukas Mantels Schlagzeug (Yves Theiler Trio, Christy Dorans Sound Fountain). Harfe & Dialekt, wie kann das gutgehen? Wenn's dann auch noch um's schpüre geht, um 'Gfühlssach' und womöglich Frauesach. Allerdings auch um Sex: Es isch en fakt / er het mi packt / de nackt akt / mit dir. Doch zunächst sind alle sich selbst der/die Nächste, aber auch erste Fremde, in Gestalt von dem anderen ich / dem mich. Dem mich von 'ich weigre mich', das nicht die Löcher stopfen mag in den Socken der Konformität oder die Empathielecks, mit denen der Glaube an die Menschen abzusaufen droht. Und 's Kunschtnaturell' geht auch leicht zugrund. Apropos geht: es gächti, dass es giengt / wenn s vellicht göngti, dass es gängi. Logisch. S'geht um Gärten und Uchruut, um 'Chruut im Chopf' und ums Weggehnwollen, weil man genug hat oder d'Seel verschmürzeled ist. Weil einen es Fägnäscht umtreibt, eine koboldhafte innere Unruh, die nur wartet bis s mugs müüsli schtill wird, um zu kribbeln. So dass man fast den Blick aufs große Ganze verliert, wo sich 'de Panamakanal' reimt auf fatal und scheißegal, denn alles ist total global. Aber abgesehen davon flimmert aus Vogels Fingern ein silbriges Funkeln, nicht ohne Schatten- wurf, aber doch allerfeinst für den aus diesen Mündern so underben Zungenschlag einer Mund-Art, die da in zarter Melancholie schwelgt und selbst im Trotz nicht mit Steinen knirscht. 'Ois zeichne' und das bassbeknurrte 'Schtürchle' verbreiten in freiem Versmaß und kunstliedbluesig Winterreisen-Feeling. Vogel zeigt der Harfe auch die Krallen und lässt sie Zicken machen zum schillernden Arpeggio. Wie da ein simples Lied paradiesvogelig aufflattern kann, der schlichte 'Akt' saxrau taumelt, die 'Gummiseel' pfeift, Krimskrams klirrt, die Harfe als spanische Gitarre brütet, 'Chruut im Chopf' orgelt, da bekommt die Schwyz von Innen heraus ein transalpines Federkleid und eine blumig krause Gestalt wie von Arcimboldo gemalt.
Press 2. Akt
kulturtipp
2019, Frank von Niederhäusern

HERRLICH BUNT

Da haben sich zwei zum Spielen gefunden. Sängerin Dalia Donadio knüpft aus Wörtern schwebende Sprach- Mobiles. Linda Vogel entlockt ihrer Harfe jenseitige Sounds. Als Duo nennen sich die Zürcherinnen Schwalbe & Elefant und überraschen, ver- stören, betören mit witzig- poetischen Klanggedichten. Auf ihrer zweiten CD tun sie dies noch wagemutiger und laden für ihren herrlich-bun- ten Dada-Pop auch Gäste aus der Zürcher Jazzszene ein.

Press 2. Akt
concerto
2019, dop

Wie es der Albumtitel ausspricht, präsentieren die beiden Zürcher Musikerinnen, die Sängerin Dalia Donadio und die Harfenistin Linda Vogel ihren zweiten Tonträger im Duo Schwalbe & Elefant, das sich auf zwei Stücken auch um Tobias Meier am Saxofon, Silvan Jeger am Bass und den Schlagzeuger Lukas Mantel erweitert. Den eigentlichen Begegnungspunkt von Gesang und instrumentalem Spiel suchen die beiden aber auf Seiten des Prinzips der Tatsächlichkeit der Sprache, in der wunderbar vetrackten Poetik des schweizerdeutschen Idioms, in dem sich die Lyrik zur Sprache der Körper und Dinge macht. Obwohl also gewissermassen das Wort „Elefant“ auf vorliegender Einspielung ist, bedeutet dies keineswegs eine „stumme“ Musik: durch Andeutung, durch Analogie ihrer Timbres und Rhythmen, durch die um die melodischen Linien gruppierten Akkorde, ihre Beschleunigungen und Langsamkeiten, durch das Wechspelpiel der Tempi und Intensitäten, mobilisiert sie die Wörter in der Gleich-wertigkeit der Vorgänge, die jede Geschwätzigkeit, sei es der Sprache, sei es der Musik, verabschiedet.

Press Ich Als Du
Bad Alchemy
2016, Rigo Dittman

SCHWALBE & ELEFANT Ich Als Du (Wide Ear Records, WER021): Ei, s wirbled i mim chopf, dem's da ganz schwalbig wird. Weil eines dem andern und jedes sich selber zu widersprechen scheint. Weil, was Harfe heißt, von Linda Vogel gespielt, auch wie ein Cello surrt, wie ein Klavier plonkt, wie eine Säge, ein Walfisch, singt und jault. Sie streicht es wohl mit dem Bogen, scharrt es wie mit Krallen. Dass es harfig plinkt, ist nur eine der Möglichkeiten, die sie schon im Anna Hügel Quartett, zur Panflöte von Christoph Blum und bei Stummfilm-vertonungen genutzt hat. Dazu singt Dalia Donadio auf Schwizerdütsch eigene Gedanken, statt wie im Trio Poem Pot Texte von Charles Bukowski, e.e. cummings, Fernando Pessoa, Gertrude Stein etc. Aber die Harfe macht das statt bodenständig ganz seltsam und eigen. Hört man sich ein in den Zungen-schlag - die Lyrik ist auch abgedruckt - dann bekommt das Insichwider-sprüchliche eine weitere Dimension. Donadio singt Wirbel- und Liebeslieder - Liebeswirbellieder. Sie sagt, sie hätte mit ihrem Mr. Right ins Schwarze getroffen, ihr vergehen, schwindlig geschleudert, Innen und Außen. Weil er sogar im Schlaf ihr im Kopf steckt, und eins und zwei schwer zu unterscheiden sind. Sie fühlt sich angenommen, weil sich die Frage 'Bleiben oder Gehen' nicht mehr stellt. Zugleich tut ihr, wie einer, die den Kopf verloren hat, alles leid. Sie singt: bin eifach gschtrickt und doch verhedri mi. Es ist ein nicht einfach zu entwirrendes Knäuel aus eifach und gschiit. Sie wankt von müd zu traurig und findet das Ich-als-Du-Sein schön. Dazwischen ahnt sie bei 'Im Alter', dass die Erinnerungen beim Versuch, sie wiederzukäuen, ufem wääg vode seel is muul schwinden. 'Laub im Buuch' ist das Flehen einer verlorenen Seele, gegen das Mutterseelenalleinsein und die Kälte, die in die Knochen greift. Das Schwarze, das Donadio trifft, ist, so trist wie es sich anhört, das Schwarz, das man sieht und das man trägt, wenn man depressiv oder in Trauer ist. 'Er' ist ein 'Es war einmal' innerer Monologe, 'Sie' geistert sich selber im Kopf rum, kann sich mehr schlecht als recht behaupten in der gwohnte einheit. Die Harfe pickt und knarzt und jault wie eine Singende Säge. Die Zunge, die eigentlich flöten kann wie Margareth Kammerer, reiht abgesetzte Silben, spaltet sich, stammelt, bibbert, keckert, drehwurmt, träumt sich selber, so dass Donadios Anonyma klingt wie das poetische Glanzstück einer tönenden Prinzhorn-Anthology, naiv und hellsichtig zugleich. Und rührend genug für einen Kloß im Hals. 
Press 2. Akt
sands-zine.com
2019, Mario Biserni

Dietro lo strano nome Schwalbe & Elefant si nascondono le zurighesi Dalia Donadio (voce) e Linda Vogel (arpa e voce), supportate occasionalmente dal sax di Tobias Meier (Ois Zeichne e Akt), dalla batteria di Lukas Mantel (Ich Weigre Mich e Wirsch Es Au) o dal contrabbasso di Silvan Jeger (Schtürchle e Fägnäscht). “2. Akt” è il loro secondo disco e fa seguito all’acclamato “Ich Als Du” del 2016. L’arpa dona alla musica un aroma antico mentre la voce si frantuma fra eteree elegie alla Enya e uno spigoloso recitar-cantando di impostazione cabarettistica (quest’ultimo aspetto si delinea soprattutto per l’uso della lingua tedesca). Il risultato è un folk canterburiano, in questo caso schietto, che soprattutto in presenza degli strumentisti ospiti si tinge di sapori latini e/o jazz. I numerosi video presenti su You Tube possono darvi una dimensione ancor più precisa sulla consistenza di questo duo.

Press Ich Als Du
culturejazz.fr
2016

Premier album du duo Schwalbe & Elefant, à savoir Dalia Donadio (voix) et Linda Vogel (harpe), deux musiciennes suisses qui explorent des paysages musicaux très ouverts où les mélodies naissent et disparaissent portées par la harpe et les effets qui lui sont associés. Une musique fine et inventive, à découvrir sur le label très créatif Wide Ear Records.

Press Ich Als Du
inMusic
2016, Ute Bahn

Bei der neuesten Einspielung der beiden Züricher Musikerinnen Dalia Donadio (Gesang) und Linda Vogel (Harfe) klemmt aber auch wirklich jede Genreschublade. Ob es sich bei der freiimprovisierten Musik in Begleitung mit schweizerdeutscher Lyrik um jazzige Ausflüge in noch unbekannte Klangräume handelt oder nur um das ausgefallenste Folk & Worldmusic-Album aller Zeiten, muss der Hörer selbst entscheiden. Fest steht jedenfalls. dass diese Auf- nahme keine einfache Haus- mannskost ist, sondern ein weiten- trücktes Stück freier Tonkunst mit elektronischen Effekten, neuartigen Klängen und exzentrischen Sound- loops. Angereichert mit Textfrag- menten in „aargauischem“ Dialekt, der in seiner Fremdartigkeit schon eine Herausforderung darstellt.